Sat-Schüssel ausrichten ohne Messgerät: mit dem Handy

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Ein Satfinder-Messgerät kostet zwischen 20 und 200 Euro und wird in den meisten Haushalten genau einmal benutzt. Das Smartphone in deiner Tasche hat dagegen alles an Bord, was für die Grobausrichtung nötig ist: einen Magnetfeldsensor für den Azimut, einen Beschleunigungssensor für die Neigung, GPS für den Standort und eine Kamera für den Blick nach oben.

Diese Anleitung zeigt, wie weit du damit kommst — und wo die Grenze liegt. Denn ganz ohne Rückmeldung vom Signal geht es nicht: Das Handy bringt dich auf ein halbes Grad heran, die letzte Feinjustage macht die Anzeige deines Receivers.

Was du brauchst

  • Smartphone mit Kompass, Neigungssensor und Kamera — die Sensoren sitzen in jedem Gerät der letzten zehn Jahre
  • Der SatFinder im Browser, für Azimut, Elevation und Skew deines Standorts
  • Maulschlüssel für Mast- und Elevationsschrauben
  • Eine zweite Person am Fernseher, die die Signalanzeige vorliest — oder ein Telefonat mit Freisprecher

1Was das Handy kann — und was nicht

Skizze mit Azimut als Himmelsrichtung am Boden und Elevation als Winkel darüber; beide zusammen ergeben die Blickrichtung zum Satelliten.

Ehrlich vorweg: Ein Smartphone ersetzt kein Messgerät, es ersetzt das Raten. Der Kompass eines Handys liegt typischerweise auf zwei bis fünf Grad genau, der Neigungssensor auf etwa ein Grad. Eine 80-cm-Schüssel hat eine Halbwertsbreite von rund zwei Grad — das Handy bringt dich also zuverlässig in das Fenster, in dem der Receiver ein Signal überhaupt anzeigen kann.

Was das Handy dem Messgerät voraus hat, ist der Blick. Ein Satfinder sagt dir, wie stark ein Signal ist, aber nicht, warum keins kommt. Die AR-Kamera zeigt dir dagegen vor der Montage, ob überhaupt freie Sicht zum Satelliten besteht — und das ist die Frage, an der die meisten Selbstmontagen scheitern, lange bevor irgendein Winkel falsch war.

Die Arbeitsteilung ist also klar: Das Handy übernimmt Standort, Sichtlinie und Grobausrichtung, die Signalanzeige des Receivers übernimmt die letzten Zehntelgrad.

2Die Winkel für deinen Standort berechnen

Bevor du irgendetwas anfasst, brauchst du drei Zahlen: Azimut, also die Himmelsrichtung, Elevation, also den Winkel über dem Horizont, und Skew, die Drehung des LNB. Sie hängen nur von deinen Koordinaten und dem gewählten Satelliten ab.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen geografischem und magnetischem Azimut. Berechnete Werte sind geografisch, dein Handy-Kompass zeigt aber magnetisch. In Mitteleuropa liegen dazwischen derzeit rund drei bis sechs Grad — bei einer Schüssel mit zwei Grad Trefferbreite also mehr als der ganze Spielraum. Der SatFinder gibt beide Werte getrennt aus, damit du nicht selbst umrechnen musst.

Die Tabelle zeigt, in welchem Bereich sich die Werte bewegen. Für deine genaue Adresse rechnet die App sie aus, sobald du den Standort freigibst oder eine Adresse eingibst.

Werte für den Standort: Azimut, Elevation und Skew für Astra 19,2° Ost
OrtAzimutElevationSkew
Berlin172,7°29,7°4,1°
Hamburg168,6°28,2°6,0°
München169,8°34,2°6,9°
Köln164,4°30,5°9,0°
Wien176,2°34,6°2,6°
Zürich165,7°34,6°9,7°

3Sichtlinie mit der AR-Kamera prüfen

Handy in AR-Ansicht: über dem Kamerabild liegen die Satellitenmarkierung und der Bogen der geostationären Bahn; ein Baum verdeckt die Sichtlinie.

Das ist der Schritt, den ein Messgerät nicht kann und der dir im Zweifel einen ganzen Montagetag spart. Halte das Handy an die Stelle, an der die Schüssel hängen soll, und öffne die AR-Ansicht. Sie legt die berechnete Position des Satelliten und den Bogen der geostationären Bahn über das Kamerabild.

Jetzt siehst du unmittelbar, was zwischen dir und dem Satelliten steht: der Nachbargiebel, die Fichte, der Balkon darüber. Ein Satellit steht in Mitteleuropa nur rund 30 Grad über dem Horizont — das ist flacher, als die meisten erwarten, und deshalb reicht ein einziger Baum in vierzig Metern Entfernung.

Prüfe auch, ob ein Hindernis nur knapp danebensteht. Ein Ast, der jetzt zwei Grad neben der Sichtlinie liegt, ist in drei Jahren mitten drin — und Regen im Blattwerk dämpft schon vorher.

4Elevation mit dem Neigungssensor einstellen

Handy flach an der Rückseite einer Offset-Schüssel: die abgelesene Neigung ist um den Offsetwinkel größer als die eigentliche Elevation.

Für die Elevation brauchst du den Kompass gar nicht, nur den Neigungssensor — und der ist genau genug. Lege das Handy flach an die Rückseite des Spiegels oder an die Halterung, je nachdem, worauf sich die Gradskala deiner Schüssel bezieht.

Hier lauert der Fehler, der die meisten Selbstmontagen kostet: Bei einer Offset-Schüssel steht der Spiegel viel steiler, als der Elevationswert vermuten lässt. Der Offsetwinkel des Reflektors — je nach Modell 20 bis 27 Grad — kommt zur Elevation hinzu. Bei 30 Grad Elevation und 24 Grad Offset steht der Spiegel also auf 54 Grad, nicht auf 30.

Der Ausweg ist einfach: Benutze die Gradskala an der Halterung, denn die ist vom Hersteller bereits auf die Elevation bezogen. Nur wenn du das Handy direkt an den Spiegel legst, musst du den Offsetwinkel aus dem Datenblatt selbst abziehen.

5Azimut mit dem Kompass — und langsam schwenken

Schüssel, die langsam über den Himmel schwenkt; die Signalanzeige steigt in einem schmalen Fenster von etwa zehn Grad deutlich an.

Jetzt der Kompass. Stell dich hinter die Schüssel, blicke in Richtung Satellit und richte den Mast grob nach dem magnetischen Azimut aus. Halte dabei Abstand zum Metall, und dreh dich einmal langsam im Kreis, bevor du abliest: Springt die Anzeige dabei, ist ein Störfeld in der Nähe.

Sitzt die Grobrichtung, löse die Mastschelle nur so weit, dass sich die Schüssel schwer drehen lässt. Dann schwenke langsam — etwa ein Grad alle zwei Sekunden. Der Receiver braucht diese Zeit, um ein gefundenes Signal überhaupt aufzubauen und anzuzeigen. Wer schnell schwenkt, fährt am Satelliten vorbei, ohne dass die Anzeige je reagiert.

Findest du in einem Schwenk von zehn Grad um den berechneten Wert nichts, dreh nicht weiter. Dann stimmt eher die Elevation nicht, oder du bist auf dem falschen Satelliten — weitersuchen macht es nur schlimmer.

6Feinjustage ohne Messgerät

Zwei Balken nebeneinander: die Signalstärke bleibt beim Drehen fast unverändert, die Signalqualität steigt deutlich an.

Für die letzten Zehntelgrad brauchst du eine Rückmeldung, und die liefert die Signalanzeige deines Receivers. Sie steht im Installations- oder Antennenmenü und zeigt zwei Werte: Stärke und Qualität. Für die Feinjustage zählt allein die Qualität — die Stärke ändert sich beim Drehen kaum.

Das Problem ist die Entfernung zwischen Mast und Fernseher. Die klassische Lösung ist eine zweite Person, die vorliest. Fast genauso gut funktioniert ein Telefonat mit Freisprecher, oder du stellst den Fernseher so, dass du ihn durchs Fenster siehst. Manche Receiver geben zusätzlich einen Ton aus, dessen Höhe mit der Qualität steigt — das ist für diese Arbeit das Beste, was es gibt.

Optimiere in der Reihenfolge Elevation, Azimut, Skew, und ziehe nach jedem Schritt die Schrauben handfest an, bevor du den nächsten Wert anfasst. Zum Schluss alles fest anziehen und die Werte noch einmal ablesen: Beim Festziehen verstellt sich eine Schüssel gern um genau das Grad, das du dir gerade erarbeitet hast.

Häufige Fragen

Kann man eine Satellitenschüssel ohne Messgerät ausrichten?

Ja. Für die Grobausrichtung reicht ein Smartphone: Kompass für den Azimut, Neigungssensor für die Elevation, Kamera für die Sichtlinie. Die letzte Feinjustage machst du über die Signalqualität in der Anzeige deines Receivers. Ein Messgerät ist bequemer, aber nicht nötig.

Wie genau ist der Kompass im Handy?

Typischerweise auf zwei bis fünf Grad. Das reicht, um in das Fenster zu kommen, in dem der Receiver ein Signal anzeigt — eine 80-cm-Schüssel hat rund zwei Grad Halbwertsbreite. Entscheidend ist der Abstand zu Metall: Am Stahlmast sind zwanzig Grad Abweichung möglich.

Warum steht meine Offset-Schüssel viel steiler als die berechnete Elevation?

Weil der Offsetwinkel des Reflektors dazukommt, je nach Modell 20 bis 27 Grad. Bei 30 Grad Elevation steht der Spiegel also auf gut 50 Grad. Die Gradskala an der Halterung ist bereits auf die Elevation bezogen — nur wer direkt am Spiegel misst, muss den Offset selbst abziehen.

Wozu die AR-Kamera, wenn ich die Winkel schon habe?

Weil die Winkel nichts darüber sagen, ob der Weg frei ist. Die AR-Ansicht legt die Satellitenposition über das Kamerabild und zeigt dir vor der Montage, ob ein Baum, ein Giebel oder ein Balkon in der Sichtlinie steht. Ein Messgerät kann das nicht — es meldet nur, dass kein Signal kommt.

Muss ich den magnetischen oder den geografischen Azimut nehmen?

Am Handy-Kompass den magnetischen. Berechnete Werte sind geografisch; die Differenz beträgt in Mitteleuropa derzeit rund drei bis sechs Grad und ist damit größer als die Trefferbreite der Schüssel. Der SatFinder zeigt beide Werte getrennt an.

Warum finde ich kein Signal, obwohl der Kompass stimmt?

Meist steht die Elevation falsch — häufig wegen des Offsetwinkels. Zweithäufigste Ursache ist ein Hindernis in der Sichtlinie, drittens ein zu schnelles Schwenken: Der Receiver braucht ein bis zwei Sekunden, um ein gefundenes Signal anzuzeigen.