LNB-Skew einstellen: den Drehwinkel richtig treffen

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Azimut und Elevation bringen die Schüssel auf den Satelliten – der Skew entscheidet darüber, wie sauber das Signal danach ankommt. Er ist der Winkel, um den das LNB in seiner Halterung gedreht wird, und er ist der Wert, den bei der Selbstmontage die meisten einfach auf null stehen lassen.

Das rächt sich nicht sofort. Bei gutem Wetter läuft das Bild auch mit falschem Skew, weil die Schüssel Reserve hat. Erst wenn ein Regenschauer durchzieht, brechen genau die Sender weg, die auf der anderen Polarisationsebene liegen. Diese Anleitung erklärt, was der Winkel physikalisch macht, warum er von deinem Standort abhängt und wie du ihn in zehn Minuten richtig einstellst.

Was du brauchst

  • Maulschlüssel oder Inbusschlüssel für die LNB-Schelle (meist 10 mm oder 4 mm Inbus)
  • Satellitenmessgerät oder ein Receiver, der Signalqualität als Zahl anzeigt
  • Den berechneten Skew-Wert für deinen Standort – aus dem SatFinder oder der Tabelle unten
  • Zweite Person, die den Messwert abliest, während du drehst

1Was der Skew überhaupt bewirkt

Zwei Funkwellen auf demselben Weg zum LNB: eine schwingt horizontal, die andere um 90° gedreht vertikal. Im LNB nimmt je eine Sonde eine Ebene auf.

Ein Satellit sendet doppelt so viele Programme, wie sein Frequenzband eigentlich hergibt. Möglich macht das die Polarisation: Zwei Programmpakete teilen sich dieselbe Frequenz, ihre Wellen schwingen aber in zueinander um 90° gedrehten Ebenen – horizontal und vertikal. Bei Astra 19,2° Ost liegen so je rund die Hälfte der Sender auf H und auf V.

Im LNB sitzen zwei Sonden, ebenfalls um 90° versetzt. Jede fängt genau eine Ebene ein. Stimmt die Drehung des LNB mit der Drehung der ankommenden Wellen überein, trifft jede Sonde ihre Ebene sauber. Steht das LNB schief, bekommt jede Sonde einen Teil der jeweils anderen Ebene mit – das ist kein zusätzliches Signal, sondern Störung.

Der Skew ist genau diese Korrektur: die Drehung des LNB, mit der du die Sonden auf die Ebenen der ankommenden Wellen ausrichtest.

2Warum der Winkel von deinem Standort abhängt

Zwei Schüsseln links und rechts des Satellitenmeridians. Die westliche wird in die eine Richtung gedreht, die östliche in die andere; auf dem Meridian selbst bleibt der Winkel null.

Die Polarisationsebenen sind am Satelliten relativ zum Äquator definiert. Du stehst aber weder auf dem Äquator noch genau auf dem Längengrad des Satelliten – und aus dieser doppelten Schrägstellung ergibt sich eine Verdrehung, die für jeden Standort anders ausfällt.

Die Richtung folgt einer einfachen Regel: Stehst du westlich des Satellitenmeridians, ergibt sich ein positiver Winkel. Stehst du östlich davon, ein negativer. Genau auf dem Längengrad des Satelliten ist der Skew null – für Astra 19,2° Ost gilt das etwa auf der Linie durch Stettin, Wien und Zagreb.

Deshalb ist Wien mit 2,6° fast neutral, während Zürich 9,7° braucht: Zürich liegt gut zehn Längengrade weiter westlich. Und deshalb bekommt Warschau für Hotbird 13° Ost einen negativen Wert – die Stadt liegt östlich dieses Satelliten.

3Den Wert für deinen Standort ermitteln

Der Skew hängt nur von deinen Koordinaten und der Position des Satelliten ab – nicht von der Schüsselgröße, nicht vom LNB-Typ und nicht vom Receiver. Er ändert sich also nie wieder, solange die Anlage steht und auf denselben Satelliten zeigt.

Für Mitteleuropa und Astra 19,2° Ost liegen die Werte grob zwischen 2° und 10°. Die Tabelle zeigt Azimut, Elevation und Skew für einige Städte; für deine genaue Adresse rechnet der SatFinder alle drei Werte aus.

Azimut, Elevation und LNB-Skew für Astra 19,2° Ost
OrtAzimutElevationSkew
Berlin172,7°29,7°4,1°
Hamburg168,6°28,2°6,0°
München169,8°34,2°6,9°
Köln164,4°30,5°9,0°
Wien176,2°34,6°2,6°
Zürich165,7°34,6°9,7°

4Nullstellung finden und das LNB drehen

Frontansicht eines LNB in seiner Halterung mit Gradskala; das LNB ist um den Skew-Winkel aus der Nullstellung gedreht.

Fast jede LNB-Halterung trägt eine Gradskala und eine Nullmarke. Null bedeutet: Die Anschlussbuchse zeigt senkrecht nach unten und die Beschriftung des LNB steht waagerecht. Löse die Schelle nur so weit, dass sich das LNB mit etwas Widerstand drehen lässt – nicht weiter, sonst rutscht es dir beim Festziehen wieder weg.

Drehe auf den berechneten Wert und ziehe die Schelle wieder an. Wenn deine Halterung keine Skala hat, hilft ein Stück Klebeband am LNB-Hals als Markierung: Bei einem 40 mm dicken Hals entspricht 1° etwa 0,35 mm am Umfang – für 6° also gut 2 mm. Das klingt nach wenig, reicht in der Praxis aber aus, weil die Toleranz bei ±2° liegt.

Prüfe zum Schluss, ob das Kabel noch spannungsfrei hängt. Ein straff gezogenes Koaxkabel dreht das LNB über Monate langsam zurück.

5Auf Signalqualität feinjustieren, nicht auf Stärke

Zwei Balken nebeneinander: die Signalstärke bleibt beim Drehen fast unverändert, die Signalqualität steigt deutlich an.

Der berechnete Wert ist der Startpunkt, nicht das Ende. Nimm jetzt einen Sender auf der horizontalen Ebene und einen auf der vertikalen und sieh dir die Signalqualität an – bei Astra eignen sich Das Erste HD (horizontal) und ZDF HD (vertikal) gut, weil beide auf denselben Transponderdaten laufen wie die Sendersuche.

Drehe das LNB in Schritten von etwa 2° und warte nach jedem Schritt zwei bis drei Sekunden, bis der Receiver nachgeführt hat. Der richtige Winkel ist der, bei dem beide Ebenen zusammen am besten stehen – nicht der, bei dem eine allein ihr Maximum erreicht.

Achte dabei auf Qualität oder SNR, nicht auf Stärke. Die Stärkeanzeige misst im Wesentlichen, wie viel Leistung am Eingang ankommt, und die ändert sich beim Drehen kaum. Erst die Qualität zeigt, wie sauber der Empfänger die Daten wieder auseinandersortieren kann.

6Was dabei typischerweise schiefgeht

Bei einer Multifeed-Anlage mit mehreren LNBs auf einem Bügel gilt der Skew für jedes LNB einzeln. Jeder Satellit steht auf einem anderen Längengrad, also braucht jedes LNB seinen eigenen Wert – sie alle gleich zu drehen ist ein verbreiteter Fehler.

Ein Monoblock-LNB für zwei eng benachbarte Positionen ist dagegen ein Bauteil mit fester Innengeometrie. Hier drehst du das ganze Gehäuse auf den Mittelwert der beiden Positionen; die Hersteller geben den passenden Wert im Datenblatt an.

Und bei Offset-Schüsseln nicht mit der Elevation verwechseln: Die Schüssel steht viel steiler, als der Elevationswert vermuten lässt, weil der Offsetwinkel dazukommt. Der Skew hat damit nichts zu tun – er wird immer nur am LNB eingestellt, nie an der Halterung der Schüssel.

Häufige Fragen

Was ist der LNB-Skew?

Der Skew ist der Winkel, um den das LNB in seiner Halterung gedreht wird, damit seine beiden Empfangssonden zu den horizontal und vertikal polarisierten Wellen des Satelliten passen. Er hängt allein von deinen Koordinaten und der Position des Satelliten ab.

In welche Richtung muss ich das LNB drehen?

Liegt dein Standort westlich des Satellitenmeridians, wird positiv gedreht, östlich davon negativ. Für Astra 19,2° Ost heißt das: In Deutschland, der Schweiz und Frankreich ergibt sich ein positiver Wert, östlich von Wien ein negativer. Die Angabe gilt von hinten gesehen, also mit Blick in Richtung Satellit.

Wie viel Grad Skew brauche ich in Deutschland?

Für Astra 19,2° Ost liegen die Werte in Deutschland etwa zwischen 4° und 9°: Berlin rund 4,1°, Hamburg 6,0°, München 6,9°, Köln 9,0°. Je weiter westlich, desto größer der Winkel. Für deine genaue Adresse rechnet der SatFinder den Wert aus.

Was passiert, wenn der Skew falsch eingestellt ist?

Die Signalstärke bleibt fast gleich, die Signalqualität sinkt. Bei gutem Wetter merkst du das nicht; bei Regen oder Schnee brechen dann zuerst die Sender einer Polarisationsebene weg. Ab etwa 10° Abweichung wird der Verlust auch bei klarem Himmel messbar.

Muss ich den Skew bei einem Twin- oder Quad-LNB anders einstellen?

Nein. Twin, Quad und Octo unterscheiden sich nur in der Zahl der Ausgänge, nicht in der Innengeometrie. Der Skew ist bei allen derselbe. Anders ist es bei Multifeed mit mehreren einzelnen LNBs – dort braucht jedes LNB seinen eigenen Wert.

Gibt es eine Skew-Tabelle zum Nachschlagen?

Die Tabelle in Schritt 3 zeigt Azimut, Elevation und Skew für mehrere Städte. Weil der Wert stetig mit dem Längengrad wandert, kannst du zwischen zwei Städten interpolieren – oder du lässt ihn direkt für deine Koordinaten berechnen, das ist genauer als jede Tabelle.