Was du brauchst
- Kompass oder Smartphone mit Kompass-App
- Der berechnete Azimut für deinen Standort, geografisch und magnetisch
- Ein gerader Stab und ein sonniger Moment, falls du an der Sonne kalibrieren willst
- Zollstock oder Maßband, um Abstand zum Mast zu halten
1Geografisch Nord ist nicht magnetisch Nord
Berechnete Satellitenwinkel beziehen sich immer auf den geografischen Nordpol — den Punkt, um den sich die Erde dreht. Ein Kompass zeigt dagegen auf den magnetischen Nordpol, und der liegt woanders. Die Differenz zwischen beiden Richtungen heißt Missweisung oder Deklination.
Sie ist kein Messfehler, sondern eine bekannte Größe: Für jeden Punkt der Erde lässt sie sich aus dem World Magnetic Model berechnen, einem Modell, das alle fünf Jahre neu herausgegeben wird. Sie ändert sich langsam — der magnetische Nordpol wandert derzeit rund fünfzig Kilometer im Jahr Richtung Sibirien.
Für die Praxis heißt das: Wenn dir jemand einen Azimutwert nennt, musst du wissen, welcher gemeint ist. Ein geografischer Wert am Kompass abgelesen ergibt eine Schüssel, die um die Missweisung danebenzeigt.
2Wie groß der Fehler bei dir ist
In Mitteleuropa liegt die Missweisung derzeit bei etwa drei bis sechs Grad Ost. Das klingt harmlos, ist aber bei einer 80-cm-Schüssel bereits mehr als die gesamte Trefferbreite: Du würdest den Satelliten schlicht verfehlen, obwohl der Kompass genau das anzeigt, was du berechnet hast.
Der Wert wandert mit dem Längengrad. Im Westen Frankreichs ist er kleiner, in der Ukraine und im Baltikum deutlich größer. Und er wandert mit der Zeit: Ein Wert aus einem zehn Jahre alten Buch liegt heute bereits um ein Grad daneben.
Die Tabelle zeigt die geografischen Azimutwerte für einige Städte — auf sie muss die Missweisung noch angewandt werden. Der SatFinder gibt beide Werte getrennt aus und holt sich die Deklination für deine Koordinaten direkt aus dem World Magnetic Model, damit du nicht selbst nachschlagen musst.
| Ort | Azimut | Elevation | Skew |
|---|---|---|---|
| Berlin | 172,7° | 29,7° | 4,1° |
| Hamburg | 168,6° | 28,2° | 6,0° |
| München | 169,8° | 34,2° | 6,9° |
| Köln | 164,4° | 30,5° | 9,0° |
| Wien | 176,2° | 34,6° | 2,6° |
| Zürich | 165,7° | 34,6° | 9,7° |
3Metall am Mast: der größte Einzelfehler
Die Missweisung ist berechenbar und damit beherrschbar. Das eigentliche Problem beim Ausrichten ist etwas anderes: der Stahl, an dem du gerade stehst. Ein Kompass misst das Magnetfeld an seinem Ort — und ein Mastrohr, eine Wandhalterung oder ein Dachträger verzerrt dieses Feld erheblich.
Direkt am Mast sind Abweichungen von zwanzig Grad und mehr keine Seltenheit. Das ist das Vier- bis Sechsfache der Missweisung, und es lässt sich nicht ausrechnen, weil es von der Menge und Lage des Metalls abhängt. Auch das Handy selbst kann stören: eine Magnethülle, ein Ringhalter oder ein Ladepad in der Nähe verziehen die Anzeige.
Halte deshalb mindestens zwei Meter Abstand zu jeder größeren Metallmasse und nimm die Peilung, bevor du die Schüssel montierst. Ein einfacher Test: Dreh dich langsam einmal im Kreis und beobachte die Anzeige. Läuft sie gleichmäßig durch, ist alles in Ordnung; springt oder stockt sie, steht Eisen in der Nähe.
4Der Sensor im Handy: wie er arbeitet und wann er lügt
Ein Smartphone hat keine Kompassnadel, sondern einen Magnetfeldsensor auf dem Chip. Er misst das Erdmagnetfeld in drei Achsen und rechnet daraus zusammen mit dem Lagesensor eine Richtung aus. Das funktioniert gut — solange der Sensor kalibriert ist.
Die Kalibrierung geht durch Alltagsbewegungen verloren, besonders wenn das Handy längere Zeit an einem Magneten lag. Deshalb fordern Betriebssysteme gelegentlich die Achterbewegung: Damit sammelt der Sensor Messwerte in verschiedenen Lagen und rechnet seine Nullpunkte neu.
Praktisch heißt das: Führe die Achterbewegung aus, bevor du peilst, halte das Handy waagerecht, und lies erst ab, wenn die Anzeige zwei, drei Sekunden ruhig steht. Eine zappelnde Anzeige ist kein Ablesewert, sondern eine Warnung.
5Kalibrierung an der Sonne
Der Ausweg aus dem ganzen Magnetproblem ist alt und verblüffend genau: die Sonne. Ihre Position am Himmel lässt sich für jeden Ort und jeden Zeitpunkt exakt berechnen — und zwar geografisch, ohne jeden Bezug zum Erdmagnetfeld.
Praktisch funktioniert das so: Stell einen geraden Stab senkrecht auf, oder nimm einen Mast, einen Zaunpfahl, irgendetwas Lotrechtes. Der Schatten zeigt genau vom Sonnenstand weg. Kennst du den berechneten Sonnenazimut für diesen Moment, kennst du damit auch die geografische Nordrichtung — auf ein Zehntelgrad genau, unabhängig von jeder Missweisung und jedem Stahlträger.
Der SatFinder bringt diese Kalibrierung mit: Er berechnet den Sonnenazimut für deine Koordinaten und die aktuelle Uhrzeit und lässt dich die Kompassrichtung darauf abgleichen. Danach zeigt die App die Richtung zum Satelliten, ohne dass der Magnetsensor überhaupt eine Rolle spielt.
6Der praktische Weg am Mast
Fasse alles zusammen, bevor du hochgehst. Nimm den magnetischen Azimut, nicht den geografischen. Peile aus mindestens zwei Metern Abstand zum Mast und markiere die Richtung am Boden. Wenn die Sonne scheint, kalibriere vorher an ihr — das ersetzt beide vorherigen Punkte.
Richte dann grob nach der Markierung aus und schwenke langsam, etwa ein Grad alle zwei Sekunden. Der Kompass hat dich in ein Fenster von wenigen Grad gebracht; ab hier übernimmt die Signalanzeige, denn kein Kompass der Welt bringt dich auf ein Zehntelgrad.
Und wenn du gar nichts findest: Der Kompass ist selten schuld. Häufiger liegt es an der Elevation, oft am vergessenen Offsetwinkel der Schüssel, oder an einem Hindernis in der Sichtlinie. Prüfe diese beiden, bevor du am Azimut weitersuchst.
Häufige Fragen
Was ist die magnetische Missweisung?
Der Winkel zwischen geografisch Nord — dem Drehpunkt der Erde — und magnetisch Nord, wohin ein Kompass zeigt. In Mitteleuropa beträgt er derzeit etwa drei bis sechs Grad Ost. Berechnete Satellitenwinkel sind geografisch; ein Kompass zeigt magnetisch, also musst du umrechnen oder ein Werkzeug nutzen, das beide Werte ausgibt.
Wie viel Grad Missweisung habe ich an meinem Wohnort?
Das hängt von deinen Koordinaten ab und ändert sich langsam über die Jahre. In Deutschland liegt der Wert derzeit bei rund drei bis sechs Grad Ost, in Osteuropa mehr, in Westfrankreich weniger. Der SatFinder holt die Deklination aus dem World Magnetic Model für deine Position und zeigt geografischen und magnetischen Azimut getrennt an.
Warum zeigt mein Handy-Kompass am Mast völlig andere Werte?
Weil der Stahl des Mastes das Magnetfeld verzerrt. Direkt am Mast sind zwanzig Grad Abweichung und mehr möglich — das Vielfache der Missweisung. Peile aus mindestens zwei Metern Abstand und markiere die Richtung am Boden, bevor du die Schüssel montierst.
Wie kalibriere ich den Kompass im Handy?
Führe die Achterbewegung aus, die das Betriebssystem gelegentlich verlangt: Damit sammelt der Magnetfeldsensor Messwerte in verschiedenen Lagen und setzt seine Nullpunkte neu. Halte das Gerät danach waagerecht und lies erst ab, wenn die Anzeige einige Sekunden ruhig steht.
Was bringt die Kalibrierung an der Sonne?
Sie umgeht das Magnetfeld vollständig. Die Position der Sonne lässt sich für jeden Ort und Zeitpunkt geografisch exakt berechnen, also gibt dir der Schatten eines senkrechten Stabes eine Nordrichtung, die weder von der Missweisung noch von Stahl in der Nähe beeinflusst wird. Am besten funktioniert das morgens oder am späten Nachmittag, wenn der Schatten lang ist.
Reicht ein Kompass zum Ausrichten überhaupt aus?
Für die Grobausrichtung ja, für die Feinjustage nein. Ein Kompass bringt dich in ein Fenster von wenigen Grad — genug, damit der Receiver ein Signal anzeigt. Die letzten Zehntelgrad holst du über die Signalqualität heraus, nicht über die Himmelsrichtung.