Kein Sat-Signal: die Ursachen der Reihe nach finden

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Kein Signal ist die unfreundlichste Fehlermeldung der Unterhaltungselektronik, weil sie alles und nichts bedeutet. Zwischen dem Fernseher und dem Satelliten liegen fünf Bauteile, und jedes davon kann die Ursache sein — vom vergessenen HDMI-Eingang bis zum LNB, das nach acht Jahren aufgegeben hat.

Deshalb lohnt sich Raten nicht. Diese Anleitung geht die Kette in der Reihenfolge durch, die am schnellsten zum Ergebnis führt: von hinten, vom Fernseher zur Schüssel. Wer umgekehrt anfängt und zuerst aufs Dach steigt, verbringt einen Nachmittag am Mast, weil unten ein Stecker lose war.

Was du brauchst

  • Die Fernbedienung des Receivers — die Signalanzeige steckt meist im Installationsmenü
  • Ein zweites, funktionierendes Koaxialkabel zum Gegentesten
  • Abisolierzange und ein paar Ersatz-F-Stecker
  • Optional ein Satellitenmessgerät; für die meisten Fehler reicht die Anzeige des Receivers

1Erst die Anzeige lesen — Stärke ist nicht Qualität

Zwei Balken nebeneinander: die Signalstärke steht hoch, während die Signalqualität bei null bleibt.

Jeder Receiver zeigt zwei Balken, und sie bedeuten Verschiedenes. Die Signalstärke misst im Wesentlichen, wie viel Leistung am Eingang ankommt. Sie steht schon dann hoch, wenn nur das LNB Strom bekommt und rauscht — sie sagt also fast nichts darüber aus, ob ein Satellit gefunden wurde.

Die Signalqualität, je nach Gerät auch SNR oder MER genannt, misst dagegen, wie sauber sich die Daten aus dem Rauschen herauslösen lassen. Nur dieser Wert entscheidet über das Bild. Ein Empfänger braucht für DVB-S2 grob 8 bis 11 dB; darunter friert das Bild ein, darüber läuft es stabil.

Merke dir das Muster: Stärke hoch, Qualität null heißt fast immer, dass die Schüssel den Satelliten verfehlt oder auf den falschen zeigt. Stärke null heißt dagegen, dass die Verbindung zum LNB unterbrochen ist — Kabel, Stecker oder Speisespannung.

2Die Kette von hinten prüfen

Die Empfangskette von der Schüssel über Stecker und Receiver bis zum Fernseher, mit der Prüfreihenfolge von hinten nach vorn.

Arbeite dich vom Fernseher zur Schüssel vor, nicht umgekehrt. Zuerst der Fernseher selbst: richtiger Eingang gewählt, Receiver wirklich an, Fernbedienung auf dem richtigen Gerät? Erstaunlich viele Ausfälle enden hier.

Dann der Receiver: Zeigt er im Menü überhaupt eine Signalanzeige, oder steht er im falschen Empfangsmodus, also DVB-T statt DVB-S? Sind die LNB-Frequenzen richtig eingestellt, bei einem Universal-LNB 9750 und 10600 MHz? Nach einem Werksreset oder einem Software-Update stehen diese Werte gelegentlich neu.

Danach die Verkabelung, und erst ganz zuletzt die Schüssel. Ein einfacher Gegentest trennt oben von unten: Schließe den Receiver testweise direkt am LNB an, mit einem kurzen Kabel, das du sicher kennst. Kommt dann Signal, liegt der Fehler in der festen Verkabelung — nicht auf dem Dach.

3F-Stecker und Kabel — die häufigste Einzelursache

Querschnitt eines F-Steckers am Kabelende: der Innenleiter ragt rund zwei Millimeter heraus, der Schirm liegt sauber am Gewinde an.

Wenn ein Sat-Empfang nach Jahren ausfällt, ohne dass jemand etwas angefasst hat, liegt es überdurchschnittlich oft am Außenstecker. Wasser zieht über Jahre in den F-Stecker, das Kupfer korrodiert grün, und der Übergangswiderstand steigt so weit, dass die Speisespannung zusammenbricht.

Dreh den Stecker am LNB ab und sieh ihn dir an. Der Innenleiter muss blank und gerade sein und etwa 2 mm aus dem Stecker herausragen — zu kurz macht keinen Kontakt, zu lang drückt gegen das Gehäuse. Grünspan, ein aufgefächerter Schirm oder eine einzelne verirrte Schirmlitze am Innenleiter sind Gründe, den Stecker neu zu setzen.

Prüfe auch das Kabel selbst. Ein zu eng gebogener Radius, ein Knick von einer Türzarge oder ein Marderbiss im Dachboden verändern den Wellenwiderstand dauerhaft. Am Ergebnis sieht das aus wie schlechtes Wetter, nur eben bei Sonnenschein.

4Wenn gar keine Qualität kommt: sitzt die Ausrichtung noch?

Schüssel, die langsam über den Himmel schwenkt; die Signalanzeige steigt in einem schmalen Fenster von etwa zehn Grad deutlich an.

Erst wenn die Kette unten sauber ist, lohnt der Weg nach oben. Schüsseln verstellen sich seltener von selbst als vermutet, aber es passiert: ein Sturm, eine Leiter am Mast, eine gelockerte Mastschelle nach dem ersten Winter.

Prüfe zuerst, ob die Werte überhaupt noch zum Standort passen. Die Tabelle zeigt die Sollwerte für einige Städte; für deine Adresse rechnet der SatFinder Azimut, Elevation und Skew genau aus. Weicht die Schüssel um mehr als ein Grad ab, ist das bei einer 80-cm-Schüssel bereits der halbe Trefferbereich.

Suche dann in kleinen Schritten. Löse die Azimutschrauben nur so weit, dass sich die Schüssel schwer drehen lässt, und schwenke langsam — etwa ein Grad alle zwei Sekunden. Der Receiver braucht diese Zeit, um ein gefundenes Signal überhaupt anzuzeigen. Wer schnell schwenkt, fährt am Satelliten vorbei, ohne ihn zu sehen.

Sollwerte zum Gegenprüfen: Azimut, Elevation und Skew für Astra 19,2° Ost
OrtAzimutElevationSkew
Berlin172,7°29,7°4,1°
Hamburg168,6°28,2°6,0°
München169,8°34,2°6,9°
Köln164,4°30,5°9,0°
Wien176,2°34,6°2,6°
Zürich165,7°34,6°9,7°

5Wenn es nur manchmal weg ist: Wetter und Tageszeit

Verlauf der Signalreserve über der Empfangsschwelle: bei klarem Himmel viel Abstand, während eines Schauers sinkt die Kurve unter die Schwelle.

Aussetzer, die kommen und gehen, sind selten ein Defekt. Am häufigsten ist Regendämpfung: Wassertropfen schlucken die Frequenzen im Ku-Band, und dein Empfang verliert genau die Reserve, die er über der Empfangsschwelle hatte. Eine korrekt ausgerichtete Anlage hat mehrere Dezibel Luft und übersteht einen Schauer; eine knapp ausgerichtete fällt bei jedem Regen aus.

Nasser Schnee auf dem Spiegel wirkt stärker als Regen, weil er die Fläche selbst verstimmt. Ein Schutzbelag hilft wenig — abkehren hilft. Umgekehrt gibt es zweimal im Jahr, um die Tagundnachtgleichen herum, die Sonneninterferenz: Wenige Minuten lang steht die Sonne genau hinter dem Satelliten und übertönt ihn. Das betrifft alle Zuschauer gleichzeitig und ist nach ein paar Minuten vorbei.

Wenn dein Empfang schon bei leichtem Nieselregen wegbricht, ist die Anlage nicht kaputt, sondern zu knapp justiert. Dann hilft nicht die Suche nach einem Defekt, sondern eine saubere Feinjustage auf Signalqualität.

6Wenn nur einzelne Sender fehlen

LNB in seiner Halterung mit Gradskala, aus der Nullstellung um den Skew-Winkel gedreht.

Läuft das meiste, fehlen aber bestimmte Programme, ist die Anlage grundsätzlich in Ordnung. Fehlt eine ganze Gruppe, prüfe zuerst die Polarisation: Wenn alle horizontalen Sender fehlen und die vertikalen laufen, schaltet das LNB die 18-Volt-Ebene nicht mehr durch — entweder weil das Netzteil sie nicht liefert oder weil das LNB defekt ist.

Fehlen dagegen nur einzelne Sender ohne erkennbares Muster, ist meist der Sendersuchlauf veraltet. Sender wechseln Transponder, und ein Suchlauf von vor zwei Jahren kennt die neuen Daten nicht. Ein Suchlauf mit aktualisierter Transponderliste ist schneller erledigt als jede Fehlersuche an der Hardware.

Und wenn eine Polarisationsebene nur schwächelt statt ganz zu fehlen, steht oft der LNB-Skew daneben. Das trifft typischerweise Anlagen, die jemand nach Gefühl ausgerichtet hat und die seither bei Regen zuerst auf einer Ebene aussteigen.

Häufige Fragen

Warum findet der Fernseher den Satelliten nicht?

In den meisten Fällen liegt es nicht an der Schüssel. Prüfe der Reihe nach: richtiger Eingang am Fernseher, Receiver im DVB-S-Modus, LNB-Frequenzen 9750/10600 MHz eingestellt, F-Stecker am LNB und am Receiver fest und trocken. Erst wenn Signalstärke vorhanden ist, aber die Qualität bei null bleibt, zeigt die Schüssel tatsächlich daneben.

Was ist der Unterschied zwischen Signalstärke und Signalqualität?

Die Stärke misst, wie viel Leistung am Eingang ankommt — sie steht auch dann hoch, wenn nur das LNB rauscht. Die Qualität (SNR) misst, wie sauber die Daten aus dem Rauschen zu lösen sind, und nur sie entscheidet über das Bild. Für DVB-S2 braucht ein Empfänger etwa 8 bis 11 dB.

Wie kann ich meinen Satellitenempfang testen?

Die Signalanzeige des Receivers reicht für fast alle Fehler: Sie steht im Installations- oder Antennenmenü und zeigt Stärke und Qualität. Ein Messgerät brauchst du erst, wenn du am Mast justierst und die Anzeige nicht sehen kannst. Für die Sollwerte deines Standorts rechnet der SatFinder Azimut, Elevation und Skew aus.

Warum habe ich bei Regen kein Signal mehr?

Regentropfen dämpfen das Ku-Band. Eine sauber ausgerichtete Anlage hat mehrere Dezibel Reserve über der Empfangsschwelle und übersteht einen Schauer; fällt der Empfang schon bei leichtem Regen aus, ist die Ausrichtung zu knapp. Das ist kein Defekt, sondern ein Justagefehler.

Alle HD-Sender fehlen, die anderen laufen — woran liegt das?

Fehlt eine ganze Polarisationsebene, schaltet das LNB die 18-Volt-Ebene nicht durch: entweder liefert das Netzteil sie nicht, oder das LNB ist defekt. Fehlen dagegen einzelne Sender ohne Muster, ist meist nur der Sendersuchlauf veraltet, weil Sender den Transponder gewechselt haben.

Muss ich zum Ausrichten aufs Dach?

Nur, wenn die Kette unten nachweislich in Ordnung ist. Schließe den Receiver mit einem kurzen, bekannten Kabel direkt am LNB an: Kommt dann Signal, liegt der Fehler in der festen Verkabelung und nicht an der Schüssel. Dieser Test spart in der Praxis die meisten Dachbesteigungen.